1901 war es wohl, als der erste Landungssteg für bequemeren Transfer sorgte und keine fünf Jahre später war mit einer 500 Meter langen Seebrücke das Tor zum Bädertourismus endgültig geöffnet. Freilich nicht ohne Anschluß an die Rügenener Schmalspurbahn, wie wir heute verbrieft wissen, denn bis dato tobte „das Leben“ in Sellin lediglich nur an den Ufern des gleichnamigen See’s, welcher bei geologischer Betrachtung ein Ausläufer des Greifswalder Boddens ist. Die Elementargewalten Hochwasser, Packeis und Feuer hatten wohl kein so rechtes Einsehen mit der touristischen Notwendigkeit und setzen der Seebrücke ostseeseitig mehrfach derart zu, daß sie immer wieder aufgebaut werden mußte. Als 1942 das Brückenhaus völlig zerstört und bis 1978 der Zahn der Ostseewellen sein zerstörerisches Werk endgültig beendet hatte, hieß es: time out! Aber nur bis zum Jahre des Herrn 1990. Seither ist die nun insgesamt 394 Meter lange, nach historischem Vorbild rekonstruierte Seebrücke im Ostseebad Sellin, nicht nur das Wahrzeichen des Ortes, sondern schlichtweg ein Synonym für die gesamte Bäderarchitektur des Nordostens und für Sportbegeisterte der Austragungsort des mittlerweile etablierten Seebrückenlaufes.Wer mittels dem regelmäßigen Bäderverkehr heute an der Seebrücke anreist, oder wahlweise die „Himmelsleiter“ oder den Aufzug landseitig benutzt, findet sich unversehens in dem direkt über dem Meeresspiegel gelegenen, zweietagigen Palmengarten, dem Balticsaal und dem der 20er Jahre nachempfundenen Kaiserpavillion wieder. Neben einer ausgezeichneten Restauration brilliert das Ensemble mit einem besonderen Service: Drum prüfe...! Es darf, und es wird hier im eigens dafür eingerichteten Saal kräftigst geheiratet! Mit standesamtlicher Beglaubigung; versteht sich! Wer diesen Akt gesellschaftlicher Notwendigkeit hinter sich gebracht hat, egal ob jetzt, später oder früher, findet sich unweigerlich auf der Wilhelmstraße wieder. Ein gewisser Fürst namens Wilhelm Malte zu Putbus ließ 1896 just an gleicher Stelle eine Allee mit Promenaden anlegen, verkaufte innerhalb weniger Jahre die relevanten Baugrundstücke und als Ergebnis dergleichen posthistorischen Unternehmertums präsentiert sich hier und heute die Wilhelmstraße mit einer Vielzahl imposanter Hotels, Villen und Pensionen.
|