 Der Rügenfürst Wizlaw I. verlieh 1234 dem slawischen Fischerdorf Stralow das Stadtrecht. Damit verbundene Privilegien wie Handels-, Zoll- und Fischereirechte machten die Seehandelsstadt reich und mächtig; zählte sie doch bald im Verbund der Hansestädte über Jahrhunderte zu den einflußreichsten in Nordeuropa. Große Teile des heute noch erhaltenen Stadtkerns mit Bauten aus Gotik, Barock und Klassizismus, sind städtebauliche und architektonische Zeugnisse der alten Hanse. Am 27. Juni 2002 auf der 26. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Budapest, Ungarn erfolgte die Aufnahme der beiden Altstädte der Hansestadt Stralsund und der Hansestadt Wismar in die Welterbeliste. Mit der Anerkennung der beiden Altstädte folgte das Welterbekomitee dem Vorschlag Deutschlands, beide gemeinsam als repräsentative Beispiele für das kulturelle Erbe der Hanse in die UNESCO-Liste aufzunehmen. Stralsund (rund 58.000 Einwohner) und Wismar (rund 47.000 Einwohner) repräsentieren idealtypisch die entwickelte Hansestadt während der Blütezeit des Städtebundes im 14. Jahrhundert. In erster Linie wurden Stralsund und Wismar als städtebauliche Zeugnisse der Hansezeit in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Wesentlich war jedoch auch die "Schwedenzeit", da sie den Austausch kultureller Werte illustriert. Beide Städte gelangten in Folge des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) unter schwedische Herrschaft und spielten im 17. und 18. Jahrhundert eine entscheidende Rolle im militärischen Großmachtsystem Schwedens. Aus dieser Zeit stammen einige herausragende Barockbauten wie das Zeughaus in Wismar oder das Schwedische Regierungspalais in Stralsund. Stralsund war neben Lübeck im 14. Jahrhundert die bedeutendste Stadt im gesamten Ostseeraum und wurde im Jahr 1370 als Ort für die Friedensverhandlungen mit Dänemark ausgewählt. Deren Ergebnis, der berühmte Stralsunder Friede, ging als Höhepunkt hansischer Machtentfaltung in die europäische Geschichte ein. Von dieser Blütezeit der Stadt zeugen die aufwändig gestalteten Kaufmannshäuser sowie weitere höchst bedeutungsvolle Einzelbauten. Im Bereich der gotischen Profanarchitektur verfügt Stralsund mit seinem Rathaus über ein Bauwerk von hoher architekturgeschichtlicher Bedeutung für ganz Nordeuropa. Einige Gebäude Stralsunds sind die letzten Vertreter eines mittelalterlichen Bautyps. An den zahlreichen mittelalterlichen, später teilweise überformten Kaufmannshäusern lässt sich die typische Bebauung der schmalen, tiefen Parzellen mit giebelständigen Gebäuden und den rückseitig anschließenden Hofflügeln, den so genannten Kemläden, ablesen. Stralsunds einmalige Insellage zwischen dem Strelasund und den im 13. Jahrhundert aufgestauten Teichen betont den mittelalterlich geprägten Stadtkörper, der in der unverwechselbaren Silhouette zur Geltung kommt.
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